Beteiligung an einer Schlägerei, Vorladung und Anklage

Massenschlägerei in Marzahn – Verhalten bei Vorladung wegen Beteiligung an einer Schlägerei

Am Freitagabend gerieten in Berlin Marzahn zwei Gruppen Jugendlicher in einen Streit, der kurze Zeit später in eine Schlägerei ausartete. Während den körperlichen Auseinandersetzungen kam es sogar zum Einsatz von Pfefferspray und Messern. Ein 22-Jähriger erlitt dabei eine Stichverletzung am Oberschenkel während einem 46-Jährigen ein Pfefferspray solange ins Gesicht gesprüht wurde, bis die Spraydose leer war, sodass sich fatale Folgen für das Sehvermögen des Opfers ergaben. Nach der Tat flüchteten alle Beteiligten. Die Polizei konnte jedoch einige der geflüchteten Tatverdächtigen stellen und festnehmen um diese einer erkennungsdienstlichen Behandlung zu unterziehen. Die Ermittlungen über die genauen Geschehnisse laufen.

Das Ermittlungsverfahren wegen Beteiligung an einer Schlägerei

Für den Beschuldigten beginnt das Strafverfahren meist mit der Vorladung wegen Beteiligung an einer Schlägerei. Der Beschuldigte kann aber auch erst mit der Zustellung der Anklageschrift oder eines Strafbefehls von dem Strafverfahren Kenntnis erlangen.

Sollten Sie eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung erhalten, so sollten Sie dieser nicht Folge leisten. Als Beschuldigter haben sie ein Schweigerecht, von dem Sie unbedingt Gebrauch machen sollten. Eine unüberlegte Aussage vor der Polizei kann Ihnen den Weg zu einem Freispruch abschneiden, sei sie auch noch so gut von Ihnen gemeint gewesen. Meistens werden Sie gar nicht merken, dass die Vernehmungsbeamten sie Dinge fragen, zu denen Sie besser hätten schweigen sollten.

Die Beteiligung an einer Schlägerei

§ 231 StGB stellt die Beteiligung an einer Schlägerei unter Strafe. Strafgrund ist dabei die generelle Gefährlichkeit von Schlägereien für Leib und Leben. Zum einen führen Auseinandersetzungen von mindestens 3 Personen meistens schwere gesundheitliche Folgen mit sich, zum anderen lässt sich im Nachhinein zumeist nicht ermitteln, wer genau die schweren Folgen verursacht hat. Den genauen Sachverhalt zu ermitteln und zu rekonstruieren, bereitet oft Schwierigkeiten. § 231 versucht also diesen Beweisschwierigkeiten zu begegnen, die sich aus der Unübersichtlichkeit der Situation ergeben und versucht so zu verhindern, dass Beteiligte Unklarheiten im tatsächlichen Sachverhalt zu ihrem unberechtigten Vorteil nutzen können.

Deswegen wird mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer sich an einer Schlägerei oder an einem von mehreren verübten Angriff beteiligt, wenn durch die Schlägerei oder den Angriff der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung (§226) verursacht worden ist.

Zunächst müsste also eine Schlägerei oder ein von mehreren verübter Angriff stattgefunden haben. Die Schlägerei stellt, als mit gegenseitigen Tätigkeiten einhergehende Auseinandersetzung von mindestens 3 Personen, den Grundtypus dar, während bei einem Angriff von einer Streitpartei aus keine Körperverletzungen begangen werden, da diese Partei sich auf Flucht oder Schutzwehr beschränkt und die Attacke über sich ergehen lässt.

Doch ab wann genau liegt eine Beteiligung vor?

Eine Beteiligung muss aktiv am Tatort und in feindseliger Weise erfolgen und kann sowohl mit physischer als auch mit psychischer Mitwirkung vorliegen, solange diese den Fortgang der Auseinandersetzung fördert. Demnach muss die Beteiligung nicht notwendigerweise durch eine Tätigkeit erfolgen die denselben Charakter hat, wie die Handlungen, die das Geschehen zur Schlägerei oder zum Angriff machen. Auch das Anfeuern von Kontrahenten, das Reichen von Waffen und Werkzeugen oder das Nothelfer Zurückhalten oder die Flucht eines Angegriffenen Verhindern, wird als direkte Beteiligung ausgelegt, da sie die Auseinandersetzung als Gesamtgeschehen abschirmt und fördert.

Ein reines Unterlassen jedoch, durch beispielsweise bloße Anwesenheit am Tatort, kann keine täterschaftliche Beteiligung darstellen, sondern nur eine Teilnahme sein. Auch der Versuch Frieden zu stiften oder das Zuschauen aus Neugierde stellt keine Beteiligung dar. Wichtig ist also immer die feindselige Absicht.

Weitere und ausschlaggebende Voraussetzung für die Strafbarkeit ist jedoch der Eintritt des Todes oder einer schweren Körperverletzung als Folge der Auseinandersetzung. Eine schwere Körperverletzung liegt vor, wenn:

  • Die verletzte Person das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert
  • Ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann
  • In erheblicher Weise dauernd entstellt wird oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt

Dabei muss die Folge nicht einmal zwangsweise durch eine strafbare Handlung herbeigeführt worden sein, sondern kann auch auf einer gerechtfertigten Handlung wie Notwehr beruhen. Ebenfalls muss sich die schwere Körperverletzung nicht auf eine Person beziehen, die auch tatsächlich beteiligt war, auch ein Unbeteiligter, der beispielsweise zur Hilfe eilen wollte, kann im Falle seiner schweren Körperverletzung oder seines Todes die Voraussetzung bilden. Erforderlich ist nur der ursächliche Zusammenhang zwischen der Auseinandersetzung und deren Folgen.

Verhalten bei Vorladung oder Anklage wegen Beteiligung an einer Schlägerei

Sofern Sie eine Vorladung oder bereits eine Anklage Beteiligung an einer Schlägerei erhalten haben, sollten Sie dringend einen Strafverteidiger mit Ihrem Fall vertraut machen. Zusammen mit Ihnen kann Ihr Strafverteidiger dann auf Grundlage der Ermittlungsakten eine individuelle Verteidigungsstrategie entwickeln.

Gerne können Sie kurzfristig einen Termin in unserer Kanzlei an einem unserer Berliner Standorte vereinbaren. Als bundesweit tätiger Anwalt für Strafrecht stehe ich Ihnen gerne in allen Abschnitten des Strafverfahrens zur Seite und entwickle Ihre persönliche Verteidigungsstrategie.

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